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Angst und Hoffnung

Nottuln/Chodziez. Zum ersten Mal reiste jetzt eine kleine Landwirte-Delegation aus Darup und Nottuln, gemeinsam mit Hansjörg Krukenberg, Mitglied des Nottulner Partnerschaftskomitees, Fachbereich Osteuropa, in die polnische Partnerstadt Chodziez. Zwei Monate nach der Aufnahme Polens in die EU nutzten sie die Gelegenheit, sich vor Ort über bäuerliche Traditionen, landwirtschaftliche Produktionsweisen und über Chancen und Ängste dieser Erweiterung auszutauschen.
Wir sind sehr freundlich aufgenommen worden, so Darups Ortslandwirt Norbert Kummann nach Rückkehr in die Baumbergegemeinde. Die Gastgeber allesamt ebenfalls Landwirte in der Gemeinde Chodziez hatten sich viel Mühe gegeben, ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Dass dabei die Besichtigung von landwirtschaftlichen Betrieben, Informationen über Produktionsweisen, die wirtschaftliche Situation auf den Höfen rund um die polnische Partnerstadt und die Perspektiven im Mittelpunkt vieler Gespräche standen, versteht sich.
Als nicht einfach wurde von den Landwirten aus der Baumbergegemeinde die Situation ihrer polnischen Berufskollegen angesehen. Viele wirtschaften dort, wie wir vor 30 Jahren, stellte Norbert Kummann fest. Und das bedeutet wohl auch, dass etliche Betriebe die ersten Jahre in der EU nicht überleben werden. Es fehlen in Polen die finanziellen Mittel. Und auch die Ausbildung lässt gemessen am Standard in der Bundesrepublik viele Wünsche offen.
Dennoch: Es gibt auch in Chodziez Landwirte, die schon jetzt keine Angst vor der Zukunft haben müssen, andere, die sich engagieren, die den Blick über die Grenzen werfen und wissen, dass sie einiges ändern müssen, um bestehen zu können. Dass die Unterbringung in Familien sich als sehr positiv herausgestellt hat, unterstrich der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Darup, Josef Brintrup. Zukunftsängste bei den Landwirten gebe es auf beiden Seiten der Grenze, so der Daruper Landwirt. Es gebe aber auch Chancen für Berufskollegen in der Partnerstadt. Vor allem für die, die bereit sind, sich unternehmerisch zu orientieren.
Auch Walter Beckmann, Mitglied im Landwirtschaftlichen Ortsverein Nottuln, war von der Gastfreundschaft begeistert, sah darüber hinaus aber auch die vielen Probleme, die auf die polnischen Berufskollegen zukommen. Deren Erwartungen mit der Wirklichkeit im vereinten Europa auf eine Ebene zu bringen, sei besonders wichtig, so Beckmann.
Die drei Landwirte waren sich einig, dass die ersten Kontakte weitergeführt werden sollten. Sie hoffen, dass es weitere Begegnungen gibt möglichst schon 2005 in Darup und in Nottuln.

Westfälische Nachrichten, 6.6.2004

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