Polnischer Abend des Partnerschaftskomitees
Wärme, Witz und etwas Sehnsucht

Matthias Kneip mit dem Trikot von Stürmerstar Robert Lewandowski.
Von Wolfgang Kirches
NOTTULN. Beste Unterhaltung, überraschende Momente und ein feines Gefühl der Verbundenheit − das bot der Polnische Abend in Nottuln. Es gab Musik und eine Lesung mit Anekdoten, Selbstironie und liebevollen Sticheleien.
Georg Schulze Bisping vom Partnerschaftskomitee, Fachbereich Chodziez, begrüßte die Gäste kurz und herzlich. Gleich zu Beginn standen drei polnische Musikstücke auf dem Programm. Als Elena Volpert auftrat, war der Saal für einen Moment vollkommen still.
Die aus Weißrussland stammende Sängerin, längst in Nottuln heimisch, sang mit einer Klarheit und Kraft, die direkt ins Herz ging: „Nie jest źle“ – ein Lied, das davon erzählt, dass es, trotz aller Widrigkeiten, „gar nicht so schlecht“ ist im Leben. „Śmierć“ – ein Stück über Abschied und Neubeginn. „Powrotna Bossa Nova“ – ein Lied über Heimkehr und das Wiederfinden eines vertrauten Gefühls. Der Beifall war voller Begeisterung – sogar Bravorufe gab es.
Dann trat Matthias Kneip, Schriftsteller, Polenexperte und publizistischer Brückenbauer, ans Mikrofon. „Was bedeutet Ihnen Polen?“ Eine Frage, die er offen beantwortete. Früher – nichts. Oder zumindest nicht viel, erzählte er. Doch dann war da die polnische Sprache seiner Eltern: geheimnisvoll, ein Stück Herkunft, das man als Kind nicht verstand, aber wahrnahm.
Erst als er später in der Heimatstadt seiner Mutter Germanistik unterrichtete, öffnete sich ihm die Welt seiner Familie – und damit ein Land, das ihn bis heute fasziniert. Seine Lesung – eher ein lebendiger Vortrag als eine klassische Buchpräsentation – war voller Anekdoten, Selbstironie und liebevoller Sticheleien. Die Improvisationskunst der Polen, die eigenwillige Logik ihrer Toilettenschilder („Dreieck oder Kreis?“), ihre Art, lieber zu telefonieren als zu schreiben, die nie endenden Essensmengen, die großartige Gastfreundschaft. Und dann dieses Zitat, das den Saal zum Lachen brachte – und doch viel sagte: „Man kann in Schulen stundenlang Vorträge über Polen halten: null Interesse. Aber wenn ich die Geschichte über Fußball erzähle und das signierte Bayerntrikot von Robert Lewandowski präsentiere, stehen alle mit ihren Handys vor mir.“
Sein Ziel für den Abend? „Ein bisschen erzählen, wie ich zu Polen kam, welche Rolle Sprache spielt, warum es sich lohnt hinzufahren – und das alles mit einem Augenzwinkern.“ Das gelang ihm mühelos.
Die Pause war eine halbe Reise nach Chodzież: Unmengen an Fingerfood, liebevoll aufgereiht, verschiedenste Getränke, vertraute und fremde Aromen. Die Gäste probierten sich neugierig durch die Vielfalt.
Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes zeigte sich begeistert: „Die Liebe zu Polen hat mich heute Abend hergeführt. Der Vortrag war brillant – tiefgründig und amüsant zugleich.“
Nach der Pause spielte die Formation um Stefan Volpert: „Killer Joe“, „Stella by Starlight“, „Footprints“ – warm, klar, atmosphärisch. Dann wurde es weihnachtlich: „Winter Wonderland“ und „Rudolph the Red-Nosed Reindeer“. Volpert erklärte: „Wir wollen die polnische Gastfreundschaft musikalisch begleiten – und die besondere Stimmung des Abends aufnehmen.“ Es gelang ihnen.
Das Fazit des Abends: „Ja – ich habe heute ein kleines Stück Polen erlebt", meinte ein Besucher begeistert. Der Polnische Abend hat Verständnis geschaffen und gezeigt, was Städtepartnerschaft bedeutet: Menschen verbinden. Geschichten teilen. Freundschaften leben.
Westfälische Nachrichten, 01. Dezember 2025
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