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Präsidentschaftswahlen in Polen

Jacek Gursz ist schwer enttäuscht


Da war er noch optimistisch: Jacek Gussz, Bürgermeister aus Nottulns polnischer Partnerstadt Chodziez, bei der Stimmabgabe zu den Präsidentschaftswahlen in Chodziez.

NOTTULN. Wie sehr Jacek Gursz, Bürgermeister von Nottulns polnischer Partnerstadt Chodziez, das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Polen getroffen hat, zeigt dieser in einem Brief an Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes. Ganz knapp verlor Rafal Trzaskowski, der europafreundliche konservative Politiker der bürgerlichen Plattform, der Partei des Ministerpräsidenten Donald Tusk. Der Bürgermeister von Warschau erhielt 49,11 Prozent der Stimmen. Gewonnen hat der Kandidat der PiS-Partei, Karol Nawrocki. Der Rechtsaußen-Politiker bekam 50,89 Prozent der Stimmen. Das berichtet die Gemeinde Nottuln in einer Pressemitteilung.
Unermüdlich hatte der Bürgermeister aus Chodziez in ganz Großpolen Wahlkampf für den Tusk-Kandidaten gemacht – auch in der Hoffnung, dass wieder rechtsstaatliche Strukturen in Polen hergestellt werden können und Polen auf einem europafreundlichen Weg bleibt. „Es sind schon einige Tage seit der Wahl vergangen, und ich kann noch immer nicht zurechtkommen mit dem Ergebnis“, erklärt Gursz in seinem Schreiben an seinen Nottulner Amtskollegen.
Dass Chodziez ganz anders wählte als das restliche Polen, sei ein kleiner Trost. In Chodziez kam Rafal Trzaskowski auf 58,98 Prozent der Stimmen. Der Kontrahent Karol Nawrocki erhielt 41,02 Prozent. Ähnlich fiel das Ergebnis in Großpolen aus, wo Jacek Gursz die Wahlkampfleitung für Trzaskowski übernommen hatte. „Aber es bleibt ein schwacher Trost“, schreibt der Bürgermeister aus Chodziez.
„Ich versichere Euch in Nottuln, dass ich weiterhin hart arbeiten werde, damit die Begriffe Demokratie, Freiheit, Gleichheit, die Verbundenheit mit der Europäischen Union und die Sorge um den europäischen Frieden in Polen nicht nur leere Worte bleiben, sondern etwas, das unser tägliches Leben bestimmt“, betont Gursz, „jede Niederlage ist ein Baustein für einen zukünftigen Sieg. Diesen Gedanken werde ich in jeder Phase meiner Arbeit weiterentwickeln – auch in unserer Partnerschaft.“
Sehr dankbar zeigte sich Gursz über den Brief seines Nottulner Amtskollegen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Bürgermeister Thönnes hatte sich direkt nach der Bekanntgabe des Endergebnisses der Wahl an den Schreibtisch gesetzt und seinem Freund in Chodziez geschrieben. „Ich bin mit euch gemeinsam enttäuscht, dass ihr nun einen Präsidenten bekommt, dessen Leben und dessen Haltung viele Fragen aufwirft und von dem man den Eindruck haben kann, dass er für keine gute Zukunft steht, den begonnenen Wandel aufhalten oder zurückdrehen und blockieren wird“, heißt es darin.
Und weiter schreibt der Nottulner Bürgermeister: „Viele Bürgerinnen und Bürger in Nottuln wissen, mit welch großem Engagement und mit wie viel Leidenschaft du dich mit deinen Mitstreitern für die Demokratie und gegen eine anti-europäische Politik eingesetzt hast. Danke dafür, dass ihr alles gegeben habt! Wir haben mit euch gebangt und gehofft“, schrieb Dr. Thönnes weiter. „Die Zeiten, in denen wir leben, sind unsicher. Viele Menschen haben Angst und wollen Sicherheit, Wohlstand und die vermeintlich guten alten Zeiten zurück – auch junge Menschen. So erklärt sich vielerorts der Sieg nationalkonservativer Kräfte. Wir sind uns einig, dass diese Kräfte mehr schaden als nützen, die Demokratie nterwandern und im Ergebnis die einfachen Lösungen keine Lösungen sind.“
„Wir stehen an eurer Seite, und unsere Freundschaft ist stärker denn je“, schließt Dietmar Thönnes sein Schreiben. Es sind Worte, die die Menschen in Chodziez erreichen. Jacek Gursz betont, dass dieser Brief für ihn eine große Unterstützung und ein echter Trost sei, heißt es abschließend.

Westfälische Nachrichten, 07. Juni 2025

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