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Ein ereignisreiches Jahr

Brief aus Nottuln an die Menschen in der Partnerstadt Chodziez

Chodziez
Das Wappen von Nottuln. Das Wappen von Chodziez.

Nottuln/ Chodziez. Weihnachtsgrüße und gute Wünsche für 2015 haben nun in einem gemeinsamen Schreiben Bürgermeister Peter Amadeus Schneider und der Partnerschaftskomitee-Vorsitzende Robert Hülsbusch an die Menschen in Chodzież übermittelt. In dem Brief an Bürgermeister Jacek Gursz und die polnische Komiteevorsitzende Beata Świderska ziehen Schneider und Hülsbusch eine positive Partnerschaftsbilanz für das Jahr 2014, mahnen aber auch angesichts der Entwicklungen in der Ukraine, in den freundschaftlichen Beziehungen der Menschen beider Länder nicht nachzulassen.
Im Brief an die Menschen in Chodzież heißt es unter anderem: „Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. Viele gegenseitige Besuche fanden auch 2014 wieder statt. Wir erinnern uns besonders gern an Euren Besuch über den 1. Mai, als fast 100 Freundinnen und Freunde aus Chodzież mit zwei Bussen zu uns nach Nottuln kamen. Gemeinsam wanderten wir – nach alter Tradition des Münsterlandes – in den Mai hinein und feierten den Beginn des Frühlings. Junge Menschen aus Chodzież bereicherten unser Frühlingsfest in Nottulns Ortskern mit Tanz und Musik.
Und: In Arbeitsgruppen besprachen wir Themen, die beiden Nationen wichtig sind. Wir erinnerten uns an den Beginn des Zweiten Weltkrieges und an den Überfall der deutschen Armee auf Polen. Wir informierten uns über die Flüchtlingsproblematik nach dem Zweiten Weltkrieg – wir gedachten der Vertreibung der Polen und der Vertreibung der Deutschen. Und wir diskutierten intensiv den aktuellen Konflikt um die Ukraine, tauschten dabei unsere Meinungen dazu aus.
Wie aktuell diese Themen sind, zeigte uns der Verlauf der politischen Entwicklung in den letzten Wochen und Monaten. Die Welt scheint ein Stück aus den Fugen geraten zu sein. In der Ukraine ist mittlerweile ein Bürgerkrieg entfacht. Die Konfrontation zwischen Russland und Europa hat eine besorgniserregende Entwicklung genommen. 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa beherrscht das Gespenst des Kalten Krieges die Europäische Politik.
In Deutschland warnten in den letzten Tagen mehr als 60 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien in einem Aufruf eindringlich vor einem Krieg mit Russland und forderten eine neue Entspannungspolitik für Europa. Ihren Appell richteten sie an die Bundesregierung, die Bundestagsabgeordneten und die Medien. . . .
Am 3. Oktober 1990, am Tag der Deutschen Einheit, sagte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Der Kalte Krieg ist überwunden. Freiheit und Demokratie haben sich bald in allen Staaten durchgesetzt. ... Wir stehen vor der klaren Alternative, Europa zu einigen oder gemäß leidvollen historischen Beispielen wieder in nationalistische Gegensätze zurückzufallen.“
Unsere Antwort auf diese Mahnung war 1992 die Begründung einer Städtepartnerschaft zwischen unseren Städten. Eine Partnerschaft, die mit dazu beträgt, dass die Länder Europas einen friedvollen, gut nachbarschaftlichen Weg gehen. Daran haben wir in all den vergangenen Jahren gearbeitet. Diesen Weg verfolgen wir weiter. Wir wollen nicht, dass alte Grenzen wieder neu hochgezogen werden.
Und so freuen wir uns auf ein weiteres Jahr gelebter Partnerschaft. Den 1. Mai werden wir wieder zusammen feiern – diesmal in Chodzież.“

Westfälische Nachrichten, 29. Dezember 2014

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