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Feier
Gute Laune bei einer Fahrt über den Stadtsee von Chodziez: Bernd Mensing (li.) und Heinz Fliß. Fotos: Stefan Volpert

Eine Reise mit großem Gewinn

Wie Bernd Mensing als Nottulner Bürgermeister die Gründung der Städtepartnerschaft erlebte

Nottuln. "Wir sind mit der Absicht nach Chodziez gefahren, eine Partnerschaft zwischen den polnischen und deutschen Menschen zu begründen. Wir kamen zurück mit vielen Freundschaften in unseren Herzen. Dass unsere Reise in vielerlei Hinsicht ein Gewinn war, wussten wir. Heute wissen wir, wie wertvoll unsere Freundschaft mit den Bürgern von Chodziez ist.“
Bernd Mensing, damals Bürgermeister der Gemeinde Nottuln, führte die zwölfköpfige Delegation an, die vor 20 Jahren nach Polen reiste, um die Partnerschaftsurkunde zu unterzeichnen. Es war auch für ihn die erste Fahrt in das osteuropäische Land. Im Gepäck viele Fragen: Wie ist die Verständigung möglich? Wie gehen die Menschen dort mit unserer gemeinsamen Geschichte um, in deren Verlauf wir Deutschen viel Leid über das polnische Volk und seine Menschen gebracht haben? Fragen, auf die er schon sehr bald Antworten erhalten sollte.

Bürgermeister
Bernd Mensing (vorne Mitte) war in der Gründungsphase der Städtepartnerschaft Bürgermeister der Gemeinde Nottuln. Mit großem Engagement setzte er sich für diese Partnerschaft ein, war immer wieder ein gern gesehener Gast in Chodziez. Eingerahmt wird er hier von Maria Weckendorf und Richard Hanning. Hinten links Heinz Fliß, einer von Mensings Nachfolger im Bürgermeisteramt, hinten rechts Rolf Schulz, damals Fraktionsvorsitzender der UBG.

Es war nicht nur der freundliche Empfang und der freundschaftliche Umgang an allen Besuchstagen, es war die Teilnahme vieler Jugendlicher – auch eine Klasse der Liebfrauen-Realschule war damals in Chodziez dabei –, die deutlich machte, dass diese Partnerschaft auch das Ziel haben sollte, „die Vergangenheit aufzuarbeiten, aber besonders die gemeinsame Zukunft in Frieden und Freundschaft zu erreichen“.
In den Reden wurde dieses Ziel besonders herausgestellt, wobei die gemeinsame schreckliche Vergangenheit nicht unerwähnt blieb. „Beeindruckend war, wie unsere neuen Partner mit unserer gemeinsamen Geschichte umgingen. Die Bewältigung der Vergangenheit ist abgeschlossen, vergessen wird sie nicht“, erinnert sich Bernd Mensing an das vorherrschende Gefühl damals in Chodziez. „Eine Botschaft, die mich mit Zuversicht und Begeisterung die Partnerschaftsurkunde unterzeichnen ließ.“
Mit Interesse wurde bei Besuchen im Sanatorium für Lungenkranke, bei einer Führung durch die Porzellanfabrik und bei vielen Begegnungen mit Bürgern und Verantwortlichen der Partnerstadt registriert, wie die Menschen dort leben und arbeiten, aber auch ihre Feste feiern. Unvergesslich der Besuch im Pfarrhaus bei Pfarrer Jan Stanislawski, bei dem deutlich wurde, wie tief verwurzelt der katholische Glaube in der Bevölkerung Polens war. Ein Eindruck, der sich wenig später beim Besuch des Gottesdienstes in der überfüllten Kirche noch verstärkte.
Zu den besonderen und nicht zu vergessenden Begegnungen gehörten die bei der Kranzniederlegung in Morzewo. Hier, wo von den Nazis am 7. November 1939 44 polnische Widerstandskämpfer hingerichtet worden waren, erlebte der damalige Nottulner Bürgermeister den „emotionalsten Augenblick, der mich tief bewegt hat“. Jugendliche aus beiden Orten, die bereits Freundschaften untereinander pflegten, sowie eine Abordnung der Solidarnocz und Mitglieder der Kriegsveteranen aus Chodziez, also Menschen, die die Not und das Elend des Krieges erlebt hatten, waren dabei. „Durch dieses Gedenken wurde deutlich, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben können, wenn wir uns an das Böse, das hinter uns liegt, erinnern und für eine gute Zukunft gemeinsam arbeiten.“

Westfälische Nachrichten, 23. Mai 2012

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