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Foto: Die beiden Bundestagsabgeordneten Angelica Schwall-Düren und Karl Schiewerling hatten zu einer Sitzung des „Weimarer Dreiecks“ in den Deutschen Bundestag eingeladen.

“Weimarer Dreieck” auf lokaler Ebene

Berlinreise Partnerschaftskomitees aus Nottuln, St. Amand-Montrond und Chodziez 

Nottuln/Berlin. Das Wort vom “Weimarer Dreieick” machte schnell die Runde. Dabei handelt es sich um ein außenpolitisches Gesprächsforum Deutschlands, Frankreichs und Polens mit dem Ziel der Stärkung der europäischen Integration. Und das traf – genau betrachtet – auch bei Folgendem den Nagel auf den Kopf: Vier Tage verbrachten über das vergangenen Wochenende Mitglieder der Komitees für Städtepartnerschaft aus St. Amand-Montrond (Frankreich), Chodziez (Polen) und Nottuln in Berlin. Eine gemeinsame Komiteesitzung mit weiteren Planungen der trinationalen Zusammenarbeit, die Besichtigung Berlins und der Besuch des Bundestages waren die Eckpunkte des Programms.
Begrüßt wurden die Komitees nach der Besichtigung des Plenarsaals im Reichstagsgebäude gleich von zwei Bundestagsabgeordneten, von Dr. Angelica Schwall-Düren (SPD) und Karl Schiewerling (CDU). Angelica Schwall-Düren, die zudem noch Bundesvorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft ist, brachte ihre Sorge über die gegenwärtige politische Entwicklung in Polen zum Ausdruck. Die neue polnische Regierung hatte in der Vergangenheit sich auch mit anti-deutschen und anti-europäischen Auslassungen hervorgetan. Schwall-Düren: „Aber die zivilgesellschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Ländern sind so stabil, dass sie Umwege auf der Regierungsebene überwinden können.“ Beide Bundestagsabgeordneten lobten in diesem Zusammenhang die städtepartnerschaftliche Arbeit in Nottuln, heißt es im Reisebericht der Nottulner Delgation weiter. Bei der Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt wurden die vielfältigen historischen Verbindungen - gerade auch zwischen Deutschland und Frankreich - deutlich. So entstand zum Beispiel der Französische Dom in Berlin, als im 18. Jahrhundert die Hugenotten in Frankreich verfolgt wurden und diese in Berlin freundlich aufgenommen wurden. Jeder vierte Berliner war damals Franzose, wusste die Stadtführerin zu berichten.
Einen tiefen Eindruck hinterließ auch das neue Holocaust-Denkmal, das Stelenfeld am Brandenburger Tor mit dem darunter liegenden Informationszentrum, das die systematische Vernichtung der Juden Europas zeigt.
Unter der Leitung von Alain Tessonneau und Robert Hülsbusch fand am Sonntagmorgen zum ersten Mal eine gemeinsame Sitzung der drei Komitees statt. Schnell war man sich einig: Die Dreiecksbeziehung soll weiter ausgebaut werden, weitere Treffen des „Weimarer Dreiecks“ sind geplant. Konkrete Termine wurden von den drei Partnerschaftskomitees bereits ins Auge gefasst: Im März 2007 wird in St. Amand-Montrond zum 60. Mal das Weinfest gefeiert. Gäste aus Nottuln und Chodziez werden dazu erwartet. Fronleichnam 2007 fährt die "Karawane" dann nach Polen. Dort wird das 15-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Chodziez und Nottuln gefeiert.
Und dann wurde optimistisch in die Ferne geblickt und die Freude auf weitere tri-nationale Treffen war groß: Für 2008 wurde der gemeinsame Besuch des Europäischen Parlaments in Aussicht gestellt.
2009 soll gemeinsam das 25jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Nottuln und St. Amand-Montrond in Nottuln gefeiert werden.
Und 2012? Dann wird die Städtepartnerschaft zwischen Nottuln und Chodziez schon 20 Jahre jung.
Jan Margowski, Vorsitzender des Komitees für Städtepartnerschaft in Chodziez, formulierte zum Schluss, was viele dachten: „Nie hätte ich vor Jahren daran gedacht, dass wir so eine intensive Beziehung zwischen Polen, Deutsche und Franzosen entwickeln würden. Ich fahre mit großen Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft wieder nach Hause.“

Westfälische Nachrichten, 3. Mai 2006

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